Oder-Neiße-Radweg

Mit dem Rad unterwegs –  Der Oder-Neiße-Radweg

Der Fluß, bis dahin im wesentlichen in einem Bette fließend, fängt an, ein Netz von Kanälen durch die Landschaft zu ziehen; hierhin, dorthin windet sich der Dampfer, aber eh‘ es uns noch gelungen ist, uns in dem malerischen Wirrsal zurechtzufinden, tauchen plötzlich weiße Giebelwände, von Türmen und hohen Linden überragt, aus dem Landschaftsbilde auf. Noch eine Biegung und das übliche Hoi ho, das immer laut wird, wenn das Schiff sich einer Landungsstelle nähert, läßt sich aufs neue vernehmen. Eine alte Holzbrücke, mit hunderten von Menschen besetzt, sperrt uns den Weg; ein Fangseil fliegt über unsere Köpfe weg, dem Brückengeländer zu; der Dampfer legt an. Ein Drängen, ein Grüßen, dazwischen das Läuten der Glocke. Vom linken Ufer her aber wirft ein weitläufiger Bau, in Bäumen und Laubgängen halb versteckt, sein Spiegelbild in den Fluß. Es ist das alte Markgrafenschloß. Wir sind in Schwedt. (Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg)

So hat Theodero Fontane, der große Beschreiber der märkischen Landschaft vor rund 150 Jahren die Fahrt mit dem Dampfer auf der Oder vor Schwedt erlebt. Ein Gefühl, das durchaus auch beim heutigen Reisenden aufkommt, wenn er it dem Fahrrad flussabwärts fährt und auf dem Oder-Neiße-Radweg das Untere Odertal erreicht und die Nationalparkstadt erreicht

Von der Neißequelle bis zur Mündung

onrEin Weg, zwei Flüsse, drei Länder: Von der Neißequelle im tschechischen Nová Ves bis Ahlbeck auf Usedom geht es auf dieser Trasse 630 Kilometer vom Isergebirge entlang der deutsch-polnischen Grenze bis zur Ostsee. Der Flussradweg führt zunächst von der Neißequelle über Liberec (Reichenberg) bis nach Zittau. Von dort vorbei am Kloster Marienthal nach Görlitz. Das Kleinod an der deutsch-polnischen Grenze mit seinen vielen sanierten Gebäuden lädt zu einen ausgedehnten Stadtspaziergang ein. Weiter geht es flussabwärts. In Bad Muskau führt der Radweg direkt durchs das 830 Hektar große UNESCO Welterbe Fürst Pückler-Park mit dem sehenswerten Schloss. Bei Ratzdorf schließlich mündet die Neiße in die Oder, die jetzt der ständige Begleiter der weiter nordwärts Radelnden ist.

Durch das Oderbruch

Von Ratzdorf geht es durch die Ziltendorfer Niederung nach Frankfurt (Oder) und von dort ins Oderbruch. Vorher sind jedoch auf dem Weg nach Lebus tatsächlich einige Anstiege zu bewältigen, denn der Ort liegt am Oderhang. Ein phantastischer Blick über die Flusslandschaft ist der Lohn. Wer im Frühjahr hier entlang kommt, kann außerdem die gelben Adonisröschen bestaunen, von denen nirgends in Deutschland so viele zu finden sind, wie an den Lebuser Oderhängen. Nun also geht es durch das Oderbruch – das tiefer als der Wasserspiegel der Oder liegt. Ursprünglich wurde es regelmäßig vom Hochwasser der Oder überflutet, bis das Gebiet unter Friedrich dem Großen trockengelegt und besiedelt wurde. Bevor es weiter in Richtung Unteres Odertal geht, lohnt ein Abstecher zum Schiffshebewerk Niederfinow – einem beeindruckenden riesigen „Schiffsfahrstuhl“.

Das Untere Odertal

Ab Hohensaaten verläuft der Oder-Neiße-Radweg entlang der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasser, oft nur kurz als HoFriWa oder Kanal bezeichnet. Er entstand Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen mit dem einzigartigen Poldersystem an der Oder, das ein durchdachtes System von Überflutungsflächen schuf, die in den Sommermonaten landwirtschaftlich nutzbar wurden. Der Nationalpark Unteres Odertal – der einzige Flussauennationalpark Deutschlands ist erreicht. Und damit die Uckermark. Wenn Sie den großartigen Ausblick genießen möchten, der Ihnen das 360°-Panorama auf dieser Seite zeigt, dann fahren Sie in Stolpe nach links über die Kanalbrücke und steigen Sie hinauf zum Stolper Turm – mit 18 Metern Außendurchmesser wahrscheinlich der „dickste“ Burgfried Deutschlands und in der Region auch als Grützpott bekannt. Von der kleinen Plattform, auf der unsere Kamera steht, hat man einen einzigartigen Blick über das Odertal, die Stromoder und die Hänge auf polnischer Seite.

Im Lenné-Park in Criewen lohnt sich ebenfalls eine längere Rast und ein Besuch des Informationszentrums des Nationalparks. Bald sieht man die Silhouette der Nationalparkstadt Schwedt, wo man weiter am „Kanal“ fährt und direkt an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt mit dem Europäischen Hugenottenpark vorbeikommt.

odertalbühne
Odertalbühne direkt am Oder-Neiße-Radweg

 

Wer Lust auf einen Abstecher ins Nachbarland hat, dem ist ein Ausflug ins romantische „Tal der Liebe“ zu empfehlen, das gut mit dem Rad zu erreichen ist. Auf dem Deich geht es weiter flussabwärts über das Oderstädtchen Gartz bis Mescherin. Hier verlassen Sie die Oder – und die Uckermark. Wer nicht den langen Kanten fahren möchte, für den bietet der Uckermark-Abschnitt durch das Untere Odertal viele Möglichkeiten, auch für Abstecher ins Landesinnere.

Blick aufs Untere Odertal
Blick vom „Tal der Liebe“ aufs Untere Odertal

Durch Vorpommern bis zur Küste

Über Penkun, die kleinste Stadt Mecklenburg-Vorpommerns. und Löcknitz führt die Radtrasse zunächst bis Ueckermünde – das Haff ist erreicht. Von dort geht es einmal um das Kleine Haff herum über Anklam auf die Insel Usedom bis Ahlbeck. Das Ziel ist erreicht. Eine erlebnisreiche Strecke durch beeindruckende Naturlandschaften, vorbei an den Zeugnissen einer bewegten Geschichte.

 

Leopold-von-Buch-Straße 40
Angermünde 16278 BB DE
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